Was haben die GEZ und die SPD gemeinsam?

Oktober 3, 2009 von futurologe

Die GEZ will von mir eine Bestätigung meiner Lastschriftdaten. Soll sie kriegen. Leider habe ich keine Briefmarke zur Hand. Ach ja, die GEZ macht ja auch nur ihren Job. Inkassounternehmen sind nun mal nicht seriös. Aber sie handeln ja nur im Auftrag. Das blonde Perückenmonster bringt uns Wetten dass. Das brauchen wir. Oder Heidis brauner Musilantenstadel. Tja, der Auftrag- der Auftrag halt.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein getriebener.Getrieben von seinem Auftrag. Leider weiß niemand mehr, was der Auftrag ursprünglich war. Der Bayerische Rundfunk verschiebt Pelzig auf einen Sendetermin nach der Wahl. Nun hören sie doch schon auf von Zensur zu reden. Doch nicht in Bayern! Es ist der Auftrag, der daran schuld ist. Man muss doch die mündigen Bürger vor sich selbst schützen.

Bei Anne Will gab’s am Wahlabend die Muppetshow. Nun, ganz so lustig war’s nicht. Baum, Bahr und Süssmuth. Das Spannendste war die Frage, wer zuerst sein Gebiss verliert. Und Bahr. auch auf seine alten Tage ohne eigene Meinung, ein treuer SPD-Soldat. Gott hat die Welt in 6 Tagen erschaffen – basta! Die SPD-Führung hat immer Recht – basta! Das Volk ist dumm. Es braucht den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, damit es nicht noch dümmer wird – basta!

Da hau doch der Blitz rein. Thunderbolt and Lightning – very frightening. Beelzebub has put a devil aside for you. Gabriel, der Erzengel, soll’s richten. Trau dich, Gabriel! Sag’s Ihnen. Sag es. WIr waren arrogant und selbstgerecht. Sag es!

Helmut Schmidt ist Schuld daran, dass es die Grünen gibt. E r war arrogant und selbstgerecht. Schröder ist Schuld daran, dass sich die WASG gründete. Er war arrogant und selbstgerecht. Sag es, Gabriel. Es ist eure letzte Chance.

Piraten wählen?

August 1, 2009 von futurologe

Soll ich nun Piraten wählen oder nicht? Die Piraten, die seien eine Partei, die nur ein Themengebiet besetzt und sich für inkompetent auf allen anderen politischen Feldern bezeichnet, heißt es oft und richtigerweise. Die Freiheit des Internets und die informelle Selbstbestimmung sind allerdings sehr wichitge Fragen, deren Beantwortung höchst relevant für unsere gesellschaftliche Zukunft ist.

Die Forderungen der Piraten kann ich mittragen, wenn sie mir auch macnhmal zu weit gehen. Das Recht auf eine private Kopie und die Freiheit des nicht-kommerziellen Nutzung sind wacklige Thesen, wenn man sie auf künstlerische Produkte anwendet. Kunst wird meist zur nicht-kommerziellen Benutzung hergestellt. Und nun  soll der Künstler also nach alternativen Einnahmequellen, nach alternativen Verwertungsmethoden suchen. Er wird dadurch gezwungen, einen Brotberuf auszuüben, und sei es nur als Produzent, Vertriebler, Marketingchef für seine eigenen kreativen Erzeugnisse. Das geht mir zu weit. Eine Einschränkung des Urheberrechts auf 20 Jahre hingegen ist sinnvoll.

Patente auf Lebewesen, Ideen und biologische Prozesse darf es nicht geben, Die Pharmaindustrie allerdings würde nicht mehr forschen, würden alle Patente abgeschafft.

Netzsperren, Bundestrojaner, großer Lauschangriff und sonstige EIngriffe in die Bürgerrechte sind nun gar nicht hinnehmbar. Da bin ich voll auf Piratenkurs.

Aber es gibt noch so viele andere wichtige Themen, die angepackt und gelöst werden müssen. Hier das restliche Programm meiner fiktiven sozialliberalen Partei (SLP):

Umbau des Sozialsystems / Vereinfachung des Steuersystems

Beide Themenfelder sind eng verknüpft, da die Einnahmen des einen, die Ausgaben des anderen decken müssen. Ich würde alle Sozialabgaben abschaffen. Das betrifft sowohl die Arbeitnehmer- als auch die Arbeitgeberbeiträge. Das Gesundheitswesen muss steuerfinanziert werden. Steuerfinanziert werden muss auch eine Grundrente. Jeder soll abhängig von seinem Einkommen einzahlen müssen und jeder bekommt die gleiche Grundrente im Alter. Die Arbeitslosenversicherung würde ich privatisieren und die EInzahlung freiwillig und steuerbegünstig machen. Die ineffektive staatliche Pflegeversicherung wird ersatzlos abgeschafft. Das Steuersystems besteht hauptsächlich aus zwei Steuern: Einkommens- bzw. Körperschaftssteuer und Mehrwertsteuer. DIe Mehrwertsteuer wird drastisch erhöht, der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer wird ebenfalls erhöht. Es gibt keine “Neidsteuern” wie Vermögenssteuer und Börsenumsatzsteuer. Die Kirchensteuer wird abgeschafft. Der Staat kann kein Inkassounternehmen für zwei Religionsgemeinschaften sein. Keine Steuerbegünstigung für die klassische heterosexuelle Ehe gegenüber anderen Lebensplanungen.

Arbeitsmarkt

Vollbeschäftigung ist utopisch. Aber alle Bürger haben ein Anrecht auf sinnvolle Arbeit, für die sie ein Entgelt bekommen, von dem sie leben können. Um das zu erreichen, muss der Staat einen zweiten Arbeitsmarkt eröffnen. Es sollen kleine Betriebe entstehen, die von den Arbeitenden selbstverwaltet werden. Bewährt sich solch ein Betrieb am Markt ist eine Ausgründung (Start-Up) aus Steuermitteln möglich. Jedem Arbeitsuchenden muss der Zugang zu einem solchen Arbeitsplatz ermöglicht werden. Wer vorzieht nicht zu arbeiten, obwohl er arbeiten könnte, wird wie bisher behandelt. Bürgergeld lehne ich ab.

Die öffentlichen Verwaltungen sollten wo möglich privatisiert werden. Privatisierung auch für die Bahn, allerdings bleibt das Schienennetz staatlich. Privatisierung auch für kommunale Wohnungsbaugesellschaften als Hausverwaltungsgesellschaften, Die Wohnungen bleiben kommunal. Die neuen Verwalter müssen sich dem Wettbewerb mit bestehenden privaten Gesellschaften stellen.

Abbau von Subventionen

Werbungskosten werden nur noch mittels Pauschale vergolten. Individuelle Kosten, die die Pauschale übersteigen, werden nicht ersetzt. Die Pendlerpauschale ist ökologischer Unsinn und wird abgeschafft.

Öffentlich-rechtliche Unternehmen

Das ZDF wird privatisiert. Für die ARD gilt das strikte Verbot von Werbung. Alle ARD-Radiostationen bis auf Deutschlandfunk, Deutschlandradio und Deutsche Welle werden dichtgemacht. Die GEZ wird abgeschafft. Die ARD wird steuerfinanziert. Der Ausbau der Internetaktivitäten wird explizit gefördert. Der Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien ist nicht an ein Medium gebunden.

Die Landesbanken werden zu einer Bank verschmolzen.

Arbeitnehmerrechte stärken

Kein Unternehmen, das einen Gewinn vor Steuern ausweist, darf irgendjemand betriebsbedingt kündigen. Unternehmen, die nicht über den vorgesehenen Betriebsrat verfügen, werden mit einer drastischen Strafsteuer belegt.

Bildung

Transparente Steuerbegünstigungen für alle Weiterbildungsmassnahmen, auch wenn sie berufsfern sind. Durchsetzung des eingliedrigen Schulsystems. Förderung von Kindern aus bildungsfernen Schichten. Die Gesellschaft muss durchlässiger werden. Keine Studiengebühren, keine Schulgebühren. Bildung ist Grundrecht.

Aussenpolitik

Demokratisiierung der EU. Abschaffung des Europarats. Stärkung des Parlaments. Schrittweiser Abzug der Bundeswehr aus Krisengebieten. WIr sind nicht der Schutzmann der Welt.

Abschaffung des Wehrdiensts

Niemand darf zum Dienst mit der Waffe gezwungen werden.

Unterstützung von Forschung und Wissenschaft

Das gilt gerade auch für Gen- und Nanotechnologie. Deutschland muss Wissenschafts- und Technologiestandort bleiben.

Religion

Gleichbehandlung aller religiösen Gemeinschaften. Die Staatskirchen haben im Rundfunkrat nichts zu suchen. Wenn eine Religionsgemeinschaft sich an Wirtschaftsunternehmen beteiligt, verliert sie ihre Steuerbegünstigung.

Verbraucherschutz

Lebensmittelampel und Kennzeichnung von Nahrungsmitteln mit transgenen Bestandteilen. Keine irreführenden Hochglanzfotos auf Nahrungsmitteln.

Integration

vermehrte Anstrengungen zur Integration von Familien mit Migrationshintergrund. Aber auch westliche Werte und Normen müssen beachtet und ihre Einhaltung eingefordert werden. Doppelte Saatsbürgerschaft erlauben und erleichtern.

Ich hoffe, dieses Programm würde das Wohlwollen von John Stuart Mills erringen.

Wächterstaat

Juli 12, 2009 von futurologe

Schwarze, dicke, eiserne Bolzen sichern das mächtige Tor

gegen den hitzigen Ansturm der Menge

Waffenklirrende Wächter drängen die Aufgebrachten zurück

zurück in den Zwinger ihres Lebens

Die Mauern wanken zwar

doch das Fundament scheint dem Druck standzuhalten

Doch das Blut brennt in den Adern.

Winterhoff-Spurks Manifest

Januar 13, 2009 von futurologe

Der Medienpsychologe Winterhoff-Spurk hat ein Buch über die Globalisierung geschrieben. Der Begriff wird bei ihm im negativen Sinn benutzt, was schon der mystische Untertitel „Wie die Globalisierung die Seele gefährdet“ zeigt. Der durchgängige Rückgriff auf die christliche Religion soll wohl seine These untermauern, dass der Neoliberalismus auch eine Religion ist.

Winterhoff-Spurk beginnt sein Buch mit einer Beschreibung der Zustände in den spanischen Niederlanden gleich nach der deutschen Reformation. „Was aber soll diese historische Einführung“, frägt er danach auf Seite 24. Und er beantwortet die Frage mit dem Gemeinplatz, dass ökonomische und soziale Umwälzungen auch schon in der Vergangenheit passierten. Die beschriebene ging gut aus, sagt er, allerdings war der Preis hoch. Es gab viel Leid und Blutvergießen. Er leitet daraus den Schluss ab, dass Veränderungen moderiert werden müssen. Was aber ist das Gegenstück zu seinem Beispiel? Eine unblutige Umwälzung, die negative Folgen hat? Das hatten wir doch zum Ende der DDR schon.

Das zweite Kapitel widmet er der Erklärung, wie es zur globalisierten Welt kommen konnte. Der Neoliberalismus steht am Pranger. Friedmans Schlüsselthesen werden sauber dargestellt. Vordenker wie Friedrich August von Hayek werden nicht erwähnt.

Als eine der Hauptursachen für die entgleisten Märkte macht Winterhoff-Spurk das Ende des Bretton-Woods-Systems der festen Währungskurse aus. Obwohl er richtigerweise feststellt, dass „die Geldeinlösegarantie von Bretton Woods nicht mehr zu halten [war]“ (Winterhoff-Spurk, 2008, S. 32), nennt er ein paar Absätze später Ideologie als alleinigen Grund für das Ende des Systems. Richtig ist natürlich, dass Friedman für die Ablösung der festen Wechselkurse geworben hat.

Sehr schön ist seine Erklärung des System des „shareholder value“. Richtigerweise sieht er die Schuld bei den Fonds, die die großen Aktiengesellschaften kontrollieren und ihnen ihre Bedingungen aufzwingen. Richtig ist auch, dass Pensionsfonds hier eine gewaltige Rolle spielen. Umso unverständlicher dann, warum Winterhoff-Spurk wenig später behauptet, nur eine kleine Oberschicht der USA wäre in Aktien investiert und somit Schuld an der ganzen Misere. Schließlich ist die Behauptung, der Neoliberalismus hätte die Kriminalitätsrate in den USA in schwindelerregende Höhen getrieben, gewagt, da er keine Belege hierfür anführt. Ganz davon abgesehen, dass man ein so komplexes gesellschaftliches Problem nicht monokausal begründen kann.

Seine Feststellung, dass viele Arbeitnehmer den Beruf zunehmend als Belastung empfinden und dass die Anzahl derer steigt, die „innerlich gekündigt“ haben, lässt sich belegen, aber ist das ein Problem der Globalisierung? Er klagt weiter über den Wechsel von unternehmergeführten Unternehmen zu managergeführten. Die Manager sieht er als eine elitäre Klasse, die kaum soziale Aufsteiger zulässt. Ein bürgerlicher Habitus und ein Doktortitel wären immer noch die beste Voraussetzung um in den Vorstand einer Kapitalgesellschaft zu gelangen. Dass es dazu auch summa-cum-laude Abschlüsse braucht, verschweigt er. Stattdessen vermutet er Narzissmus als Haupttriebkraft. Die angeführten Beweise reichen für eine solch allgemeine Behauptung nicht aus.

Im Kapitel über die Medien spielt er sein Wissen als Medienpsychologe aus. Globalisierung wird plötzlich mit der Mediengesellschaft gleichgesetzt. Er sieht hier eine Personalisierung und Emotionalisierung der Berichterstattung. Negative Meldungen würden überwiegen und es entstehe ein zunehmendes „knowledge gap“ zwischen den Gebildeten und dem Rest der Bevölkerung. Er warnt vor der medialen Klassengesellschaft.

Entwicklungspsychologisch sieht er die Gefahr von zunehmender Bindungsunsicherheit bei der heranwachsenden Generation, da diese nicht genug Zuneigung von ihren Eltern erfahre. Dabei tut er so, als ob Mary Ainsworths Thesen unbestritten wären.

Bei der politischen Elite sieht er auch Narzissmus als Triebkraft. Bedenklich stimmt ihn, dass Menschen mit histrionischem Sozialcharakter auf Demagogen hereinfallen könnten. Das war aber schon immer so – und begann nicht mit der Globalisierung.

Schließlich kramt er Max Webers These hervor, dass der Calvinismus den Boden bereitet hätte für den Kapitalismus. Das Wort „Kapitalismus“ benutzt Winterhoff-Spurk allerdings nicht. Dabei ist sein Buch über weite Teile eine Kapitalismuskritik und keine Auseinandersetzung mit der Globalisierung. Als Fazit sieht er allein gesellschaftliche Steuerung und Kontrolle als Mittel ein Armageddon zu verhindern.

Das Buch leitet an seinen unsauberen Begriffsdefinitionen. Globalisierung wird in den ersten Kapiteln mit Neoliberalismus gleichgesetzt. (Wobei Neoliberalismus ist selbst ja auch ein erklärungsbedürftiger Begriff. Wieviel hat der Monetarismus eigentlich mit Liberalismus zu tun? Friedman war Konservativer und Mitglied der Republikaner, Keynes hingegen war Mitglied der britischen Liberalen.) Im Folgenden meint er eigentlich den Kapitalismus, wenn er von Globalisierung spricht – und im Kapitel über die Medien wird Globalisierung mit der Mediengesellschaft gleichgesetzt. Legt man den Titel als Maßstab an, so muss man das Buch wohl mit „Thema verfehlt“ bewerten. Der Titel sollte eigentlich „Gewinnmaximierung – wie der Kapitalismus den Menschen beschädigt“ heißen.

Stattdessen wird im Untertitel von einer Seele geschwafelt – ein Begriff, den kein Wissenschaftler heutzutage in den Mund nehmen sollte. Genauso wenig gehören Bibelzitate in ein (populär-) wissenschaftliches Buch, sofern es nicht der Gattung Religionsgeschichte angehört.

Für die angesprochenen Probleme werden monokausale Gründe genannt. Die Analyse ist bestenfalls oberflächlich. Über weite Teile könnte das Buch auch von Oskar Lafontaine stammen.

Referenz:

Winterhoff-Spurk, P. (2008) Unternehmen Babylon – wie die Globalisierung die Seele gefährdet Stuttgart,Klett-Cotta

Kastrationsängste

Januar 4, 2009 von futurologe

Das neue Jahr beginnt genauso frauenfeindlich wie das alte geendet hat. Althaus schwer verletzt, durften wir lesen und hören. Als Randnotiz am Ende einer langen Meldung dann der Hinweis, das er mit einer Frau zusammenstoß und dass diese auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Eine Frau, die es wagte einem Vertreter unserer Elite im Weg zu stehen. Noch dazu war sie Slawin. Warum sollte, man sie erwähnen? Hauptsache unser Alphamännchen hat den Zusammenprall heil überstanden. Nur Tom Buhro in den Tagesthemen betonte ihren Tod.

Yahoo meldete mit Bezug auf AFP, dass John Travoltas einziger Sohn starb. Erst am Ende des Artikel erfuhr man, dass er auch noch eine Tochter hat. Sind wir jetzt auch hier im Westen schon wieder so weit, dass Mädchen als Kinder zweiter Klasse gelten? Es wäre auch ohne das verräterische Wörtchen “einzig” gegangen.

Zuhauf konnten wir im letzten Jahr erleben, wie intelligente Frauen von den Medien gehetzt und gedemütigt wurden. Anne Will hatte keine gute Kritik mehr seit sie sich als lesbisch “geoutet” hat. Da ließ man eine intelligente und gutaussehende Frau nach oben kommen, und nun will sie dies nicht einmal als sexuelle Gefäligkeit zurückzahlen. Maybrit Illner wird respektvoller behandelt. Kein Wunder. Sie lässt sich von einem Alphamännchen beschlafen. Da kuscht der niederrangige Mann. Selbst der unfairste Kritiker Anne Wills, ein körperlich-versehrter Spiegel-Online-Schreiber, der denkt seine Herzkrankheit mache ihn zur “Celebrity”, traut sich nicht an Maybrit Illner ran.

Wer sich nicht in die Hackordnung einfügen will, wird geächtet, verachtet und verächtlich gemacht. Am schlimmsten traf es im vergangenen Jahr aber Andrea Ypsilanti. Sie wurde am brutalst möglichsten niedergemacht. Hier ging es offenbar darum, eine gefährliche Frau mit Mitteln der psychologischen Kriegsführung zur eliminieren. Ypsilanti musste als Mensch zerstört werden, ihre politischen Ambitionen zu stoppen, reichte offenbar nicht aus.

Der deutsche Mann, bedroht durch besser gebildete Inder, Chinesen und Menschen aus dem ehemaligen Ostblock, reagiert panisch, wenn er merkt, dass auch einheimische Frauen ihm geistig überlegen sind. Doch hat er noch immer mehr Adrenalin im Blut als sie. Er hat stärkere Fäuste, ein unzerstörbares Ego und rücksichtslose Ellenbogen. Nur seine Ignoranz und seine Angst sind noch größer.

Wu Wei in Zeiten der Wirtschaftskrise

Dezember 20, 2008 von futurologe

Neulich diskutierte ich in einem Web-Forum mit jungen Anarchisten über direkte Demokratie. Ich musste mir sagen lassen, ich verwechsle direkte Demokratie mit bloßer Händchenheberei. Ich sähe nicht, dass ein neuer radikaler Gesellschaftsentwurf nötig sei. Ich warf ein, dass der Bürger gar nicht zu allem und jedem seinen Senf abgeben will und kann. Ohne Repräsentanten kommt unsere Gesellschaft nicht aus. Ohne Arbeitsteilung keine Zivilisation.

Aber da wurde ich schon nicht mehr gehört. Seltsam von Demokratie zu reden und Dinge zu meinen, die nur gegen den Willen der Mehrheit durchzusetzen sind. Versuche, die Gesellschaft aktiv zu verändern, führen meistens zu einer Verschlechterung der Bedingungen. Es ist utopisch zu glauben, demokratische Kräfte könnten agieren in einer globalisierten Welt. Es reicht vollkommen, wenn sie auf Veränderungen reagieren.

Eine Hecke wächst von allein, dazu braucht es keinen Gärtner. Trotzdem glaubt der Gärtner, die Hecke wachse besser, wenn er sie ab und zu zuschneidet. Ob sie tatsächlich “besser” wächst, ist eine philosophische Frage. In der aktuellen Wirtschaftskrise ist diese Art der Kontrolle und Einflußnahme allerdings teilweise hinzunehmen. Hätte man die Banken bankrott gehen lassen, so wäre dies vielleicht das Ende unseres kapitalistischen Systems gewesen. Manche hätten eine solche Entwicklung begrüßt. Aber mit dem Ende dieses Systems wäre viel Leid verbunden gewesen und außerdem hätte niemand gewußt, was danach kommt. Wenn man an einen Teich vorbeigeht und sieht wie jemand ertrinkt, kann man auch nicht sagen: “Wer weiß, für was das gut ist” und weitergehen.

Rigor

Dezember 15, 2008 von futurologe

Es ist kalt im Raum. Auf den Ziegeln draußen klebt der Raureif. Alabasterkörper. Elfenbeinfarbene Glieder. Schmale Fesseln. Dichter Busch. Nur geträumt. In Wahrheit ist es kalt. Die Heizung wärmt nicht. Der Rotwein will nicht ins Blut gehen. Angela Merkel treibt sich auf Krisensitzungen herum. Die Börse erschrickt über die nächste Dummheit. Je reicher, desto dümmer. Alles hängt an einem seidenen Faden, oder ist der Faden aus profaner Baumwolle? Wie kalt kann es werden? Der Mond stiert unverhüllt und ohne jegliche Scham auf mich herab. Die Luft klirrt. Leicht und beschwingt, frei und beseelt wollt ich sein. Aber ich kann die Last nicht abwerfen, denn dann würde mich nichts mehr wärmen. Mich friert’s. Es ist seltsam still draußen. Als wäre ich allein auf der Welt. Selbst die komasaufenden Kids haben sich in ihre Höhlen verkrochen. Der Verkehr auf der Ausfallstraße ist erstarrt. Starr wie meine Gefühle. Rigide, frigide und der Wein ist fast alle.

Bald schon Winter

November 16, 2008 von futurologe

die Tage werden kürzer

und Hoffnung besteht nicht

der Weg ist der Falsche

doch es ist der einzige, den du kennst

Das Licht wird schwächer

du siehst die Straße kaum

eigentlich solltest du sitzen umringt von Schülern

doch da ist nur Nacht

Die Nacht wird kälter

schon rieselt der Schnee

du drehst dich langsam um

und schaust zurück auf den leeren Weg

Gedanken eines Anarchisten oder Ode an Oskar L.

Oktober 13, 2008 von futurologe

Sie blinzeln noch,

die Marxisten,

unsicher in die Sonne.

Doch kommen sie heraus aus ihren Zufluchtshöhlen.

Die klare Sonne zu sehen.

Sie schnuppern die giftige Luft.

Niemand zeigt mit dem Finger auf sie.

Niemand wirft mit Hammer und Sichel nach ihnen.

Nein, man nickt ihnen freundlich zu.

“Ihr habt ja recht gehabt.

Mensch, waren wir dumm”.

Die Marxisten blinzeln ungläubig.

Sie sind das Licht nicht mehr gewöhnt.

Doch wenn die Wände wackeln,

sehnt sich der Mensch nach dem starken Bruder.

So sind die Menschen nun mal.

Meine geliebte Maschine, Dich zu sehen…

Oktober 3, 2008 von futurologe

Wird uns der Fortschritt der Computer- und Netzwerktechnologie alle zu Künstlern machen? Bald wird das körperliche und spirituelle Eintauchen in virtuelle Welten möglich sein. Das wird eine gewaltigen Einfluß auf unser soziales Leben haben und es wird die Kunst beeinflußen, befruchten, aber es wird keine zusätzlichen Künstler hervorbringen. Die Mehrheit zieht es vor sich Berieseln zu lassen. Sie bleiben passiv, auch wenn sie Knöpfe am Interface drücken. Knopfdrücken ist keine Kunst.

Grau (2003) behauptet sogar, dass virtuelle Welten nichts Neues sind. Er schreibt: “[...] virtual reality forms part of the core of the relationship of humans to images. It is grounded in art traditions” (Grau, 2003, p. 5). Er benennt antike Frescos und Panoramen aus dem 19. Jahrhundert als Beweise für seine These. Der Untertitel der englischen Ausgabe seines Buches (From Illusion to Immersion) ist deshalb auch etwas unglücklich gewählt, da er glaubt, dass selbst klassische Frescozeichner eine immersive Bildstrategie hatten (Grau, 2003, p.25).

Grau glaubt an eine Art religiöse Ekstase als Hauptgrund, warum Menschen in virtuelle Welten eintauchen wollen. “[...] to attain fulfillment, submerged in an ecstatic static together with others and the god, regression of consciousness, a journey of initiation into an infinite unity”, so beschreibt er die Szene, die auf dem Fresco von Pompeji zu sehen sei. Er glaubt, dass der (die) Künstler planten, den Betrachter hermetisch zu umhüllen (Grau, 2003, p. 27). Das Bild verzaubert den Betrachter. Er kann nicht innehalten und das Gesehene reflektieren. Er wird in das Bild hineingesogen. Ich glaube aber Menschen suchen keine göttliche Ekstase in virtuellen Welten. Ihre Gründe sind profaner. Sie suchen nach Spaß, Unterhaltung und neuen Eindrücken.

Andere teilen Graus Glauben, das das Eintauchen in virtuelle Welten nichts Neues ist.”Submersion inside image-worlds is as fundamental to human existence as eating and breathing (Burnett, 2004, p.11). Aber Burnett sieht den Betrachter nicht als reinen Konsument. Er glaubt, dass zu Sehen, zu Erschaffen bedeutet. Für ihn ist der passive Betrachter ein Mythos (Burnett, 2004, p. 13). “However, since I consider viewing to be an intensely creative act, it is likely, if not desirable, that what I see is not what someone else will see (Burnett, 2004, p. 15). So gesehen, ist jeder ein Künstler.

Grau hingegen sieht eine neue Art von Künstler entstehen. Ein Künstler, der nicht nur die neuste Technik nutzt, sondern selbst den technischen Fortschritt vorantreibt (Grau, 2003, p. 304). Ich glaube, Künstler haben sich neuste Technik schon immer zu Nutzen gemacht. Und die Technik beeinflusste ihre Werke. Der Wechsel von riesigen Swingorchestren zu kleinen Bebop-Combos wäre ohne verbesserte Mikrofontechnik nicht möglich gewesen. Rockmusik wäre ohne die Erfindung der E-Gitarre nicht denkbar und wie hätte psychedelischer und progressiver Rock Ende der Sechziger entstehen können, ohne den Fortschritt in der Studiotechnik und die Erfindung des Synthesizers? Aber ich glaube auch, dass Künstler immer die Weiterentwicklung ihrer Werkzeuge betrieben haben. Les Paul hat ja nicht nur wesentliche Verbesserungen an der E-Gitarre zu verantworten, er ist auch ein bemerkenswerter Musiker. Und selbst wenn die Künstler ihre Werkzeuge nicht selbst verbesserten, so stießen sie doch diesen Prozess an.

Grau ängstigt sich vor der Übernahme der Kunst durch die Maschinen. Simulationen werden von Künstlern/Programmieren aufgesetzt und dann sich selbst überlassen. Evolution verändert diese Welten ohne Zutun der Erschaffer. “Images are out of control, seemingly self-generating and changeable” (Grau, 2003, p.345). Kurzweil, der wahre Prophet der künstlichen Intelligenz, sprach Maschinen schon 1999 das Recht zu, Künstler zu sein. Mittlerweile glaubt er bereits, dass die Maschinen den Menschen als Beherrscher dieser Welt ablösen werden (Kurzweil, 2005). Burnett wiederum glaubt nicht an intelligente Maschine. Er argumentiert, es wäre gar nicht klar, was Bewusstsein eigentlich sei. “The capacity to define and explain consciousness is largely dependent on hypothesis which is why there are so many conflicting explanations” (Burnett, 2004, p. 129). er glaubt die angenommene Autonomie der Simulationen wäre illusionär, da auch die Simulationen eine eingebaute Grammatik besitzen (Burnett, 2004, p. 195).

Burnett schlägt vor, die Softwareentwicklung aus den Händen der Spezialisten zu befreien (Burnett, 2004, p. 100), da er glaubt, dass Interaktion nicht genügt. Der Eintauchende muss die Installation ändern können. er muss zum Autor werden. Wenn ich sehe, wie viel Stümperei im Web zu bestaunen ist – nicht funktionierende Webshops, nicht vorhandene Usability – schaudert es mich bei Burnetts Vorschlag. A fool with a tool is still a fool. Kein geistig gesunder Mensch würde vorschlagen Chirurgie aus den Händen der Spezialisten zu befreien. Was ist falsch daran, dass man das was man tut, vorher gelernt hat?

Aber Burnett sieht die Notwendigkeit zu einer neuen Definition des Begriffs “Autorenschaft” zu gelangen. Er sagt “data on home computers is no longer private” (Burnett, 2004, p. 148). Er glaubt an eine globale Verbreitung von Wissen. Wissen kann nicht mehr von einer Elite kontrolliert, manipuliert oder unterdrückt werden. Für ihn ist das eine positive, weil demokratische Entwicklung.

Grau hingegen sieht die Verschmelzung von Kunst und Wissenschaft. Er sieht Künstler sogar transgene Lebensformen erfinden und in Umlauf bringen. Das ist für mich pure Sciencefiction. Selbst wenn der Prozess der Erzeugung neuer transgener Lebensformen einfacher und für jeden handhabbar wäre, würden Gesetze und staatliche Verfolgung einen solchen Künstler in den kriminellen Untergrund zwingen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich nicht glaube, dass die Möglichkeit in virtuelle Welten eintauchen zu können, die ganze Erdbevölkerung in Künstler verwandeln wird. Die meisten Besucher dieser virtuellen Welten wollen passiv bleiben. Sie suchen nach Unterhaltung und neuen Eindrücken, aber haben keine Lust etwas Eigenes zu kreieren. Zumindest nichts, was außerhalb ihres Kopfes existiert könnte. Im Sinne Kants ist Wahrnehmung natürlich immer Erschaffen. In diesem Sinne, und nur in diesem Sinne, sind alle Menschen Künstler. Aber was hat das für einen Nutzen, solange sie ihre Eindrücke nicht an die Außenwelt kommunizieren? Solange sind sie nicht mehr Künstler als Schafe es sind.

References

Burnett, R. (2004) How Images Think; Cambridge (MA) : MIT Press

Grau, O. (2003) Virtual Art – From Illusion to Immersion; Cambridge (MA) : MIT Press

Kurzweil, R. (1999) The Age of Spiritual Machines New York City: Viking Press

Kurzweil, R. (2005) The Singularity Is Near New York City: Viking Press